ERWACHSENENBILDUNG

Allgemeine Erwachsenenbildung – GRUNDTVIG

Im Herzen der Politik des lebenslangen Lernens

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich im Jahr 2000 in Lissabon zum Ziel gesetzt, ein „Europa des Wissens“ zu fördern. Mit dem Memorandum zum lebenslangen Lernen und der Mitteilung zur Verwirklichung eines „Europäischen Raums für lebenslanges Lernen“ hat die Europäische Kommission in den Jahren 2000-2001 die Notwendigkeit von Gesamtstrategien für das lebenslange Lernen betont und den Stellenwert bisher vielfach vernachlässigter Bereiche, wie des informellen Lernens und der kontinuierlichen Weiterbildung von Erwachsenen bis ins hohe Alter, hervorgehoben. Der Bedarf an Lernangeboten für Erwachsene ist rapide gewachsen. Verlässliche Strukturen, kontinuierliche Qualitätsentwicklung und Innovationsimpulse sind in diesem Bereich jedoch sehr ungleich entwickelt. In mehreren Teilen Europas sind die nötigen regelmäßigen Investitionen in pädagogisches, verwaltendes und technisches Personal und erwachsenengerechte Lernzentren mit modernen Lehr- und Lernmitteln noch nicht gesichert.

Allgemeine und berufliche Bildung 2010 —
Unterschiedliche Systeme, gemeinsame Ziele
http://ec.europa.eu/education/policies/2010/et_2010_de.html

Sokrates – Grundtvig: Das europäische Programm für die Erwachsenenbildung

Mit dem Programm Sokrates-Grundtvig wird der europäische Erfahrungsaustausch in allen Teilen der allgemeinen Erwachsenenbildung gefördert. Kooperationsprojekte, Lernpartnerschaften und Netzwerke sowie thematische Seminare, transnationale Fortbildung und individuelle Mobilitätszuschüsse sollen Erfahrungen und die Entfaltung einer europäischen Dimension in allen Arbeitsgebieten der Erwachsenenbildung ermöglichen.

Sokrates – Grundtvig
http://ec.europa.eu/education/programmes/llp/grundtvig/index_de.html

GRUNDTVIG – EUROPÄISCHE ZUSAMMENARBEIT IN DER ERWACHSENENBILDUNG  

Das Ziel des Grundtvig Programms ist es, den Unterrichts- und Lernbedarf von Institutionen und Individuen aus der Erwachsenenbildung zu thematisieren. Im Besonderen zielt es darauf ab, auf die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu reagieren und Wege aufzuzeigen, wie Erwachsene ihr Wissen und ihre Fähigkeiten verbessern können.
Durch Grundtvig bietet die Europäische Kommission finanzielle Förderung des Erfahrungsaustausches und für die Verbesserung der Qualität und Zugänglichkeit von Mobilitätsmaßnahmen innerhalb Europas im Bereich Erwachsenenbildung. Grundtvig ist offen für alle Arten von Institutionen und Organisationen, ob sie in offizieller, inoffizieller oder informeller Erwachsenenbildung arbeiten. Es vervollständigt das Programm für Lebenslanges Lernen, um das gesamte Spektrum des lebenslangen Lernens abzudecken.

Warum der Name „Grundtvig“?
Das Sokrates-Grundtvig-Förderprogramm ist benannt nach dem dänischen Pfarrer und Volksbildungspionier Nikolai Frederic Severin Grundtvig (1783-1872). Er trug mit seinen Visionen von aktiver Bürgerbeteiligung am kulturellen und politischen Leben entscheidend zur Gründung der Heimvolkshochschulen und der Entfaltung der emanzipatorischen Erwachsenenbildung in Europa bei.

Grundtvig:

Viele Wege nach Europa

Die Vielfalt der von Grundtvig angebotenen Förderungsmöglichkeiten ermöglicht es allen Erwachsenenbildnern, den passenden Zugang zur europäischen Kooperation zu finden.
Grundtvig 1 und 4 werden zentral bei der Kommission, Grundtvig 2 und 3 dezentral bei den Nationalen Agenturen verwaltet.

• Grundtvig 1

Kooperationsprojekte und Lehrgänge

In Grundtvig-1-Projekten finden sich Partner aus mindestens drei, durchschnittlich sechs Ländern zusammen, um innovative Produkte und Ergebnisse für die europäische Erwachsenenbildung zu erarbeiten. Dies umfasst alle Etappen der Erwachsenenbildung: Bedarfsanalysen, Beratung, Angebotsentwicklung, didaktische Konzeption von Lehr- und Selbstlernmaterialien, Zertifizierung des Lernens, umfassende Qualitätssicherung. Es können insbesondere auch Aus- und Fortbildungsprogramme für Lehr- und Verwaltungspersonal in der Erwachsenenbildung gefördert werden.

• Grundtvig 2

Lernpartnerschaften

Lernpartnerschaften sind kleinere Kooperationsprojekte von meist lokalen Erwachsen-enbildungseinrichtungen aus mindestens drei europäischen Staaten. Der Schwerpunkt liegt auf dem themenbezogenen europäischen Austausch und der aktiven Mitwirkung der erwachsenen Lernenden selber an den Projekten. Vereinfachte Antrags-, Verwaltungs- und Auswahlverfahren tragen zum erleichterten Zugang bei.

• Grundtvig 3

Mobilitätsstipendien für die Fortbildung

Gefördert wird die Teilnahme an bis zu vierwöchigen Fortbildungskursen in einem anderen europäischen Teilnehmerstaat für pädagogisches und anderes Personal der Erwachsenenbildung. Praktika / Beobachtungsaufenthalte oder die Teilnahme an Fachtagungen und -seminaren im europäischen Ausland sind ebenfalls förderungsfähig.

• Grundtvig 4

Netzwerke und thematische Seminare

Jedes thematische Netzwerk umfasst Partner aus mindestens zehn Ländern und soll sich im Laufe des Förderzeitraums noch auf weitere Länder erstrecken. Von einem Grundtvig- Netzwerk wird erwartet, dass es eine sorgfältige Situationsanalyse auf europäischer Ebene erstellt, Beiträge zur Forschung, bzw. zur Verbreitung neuer Erkenntnisse oder guter Praxis liefert und zur Fortbildung von Personal im betreffenden Teilbereich der Erwachsenenbildung beiträgt. Verwandte Grundtvig-Projekte sollten hier einen ersten Anlaufpunkt finden für fachliche Unterstützung und Ideenaustausch. Weitere Zuschüsse ermöglichen die Ausrichtung europäischer thematischer Seminare und Konferenzen, die zur Anbahnung neuer Netzwerke führen sollen.

 

• „Flankierende“ Maßnahmen: Tagungen, Seminare und andere Initiativen

Anträge unter „Flankierenden Maßnahmen“ kommen infrage für alle Vorhaben, die nicht in die anderen vier Aktionsbereiche passen. Dazu gehören etwa Tagungen mit deutlicher europäischer Komponente und Veranstaltungen oder andere Aktionen zur Verbreitung von Innovationen in der Erwachsenenbildung.

Welche Themenbereiche können im Rahmen von Grundtvig aufgegriffen werden?

Mit Ausnahme der Berufsbildung sind keine Bereiche des formellen, nichtformellen und informellen „lebensweiten“ Lernens Erwachsener ausgeschlossen.
Prinzipiell können alle Themen und Aspekte der allgemeinen Erwachsenenbildung Gegenstand von Grundtvig-Projekten und Partnerschaften sein.

Typische Themen beinhalten:

• Förderung der aktiven Mitwirkung an Politik und Gesellschaft, insbesondere durch Stärkung von Kenntnissen und Kompetenzen solcher Bürgerinnen und Bürger, die bisher wenig Zugang zu politischen Prozessen oder keine starke Interessenvertretung haben;
• transnationale Verständigung, globaler und interkultureller Dialog, Rassismusbekämpfung, europäische Integration, Geschichte und Gesellschaft;
• Nachholen von Grundbildungsbausteinen und (höheren) Schulabschlüssen / Vorbe-reitungskurse für das Hochschulstudium für Erwachsene;
• „neue Grundbildung“ (insbesondere Lerntechniken, Sprach- und Kommunikations-kompetenz, moderne Fremdsprachen, Computer- und Medienkompetenz);
• neue flexible Formen der Organisation des Lernens unter Berücksichtigung der zeitlichen and räumlichen Einschränkungen der Lernenden;
• Anreizsysteme, um bisher Ausgeschlossene und bildungsferne Teile der Bevölkerung zu erreichen;
• kulturelle Erwachsenenbildung, Entwicklung der Lerndimension kultureller Einrichtungen wie Museen, Galerien, Büchereien usw.;
• Vorbereitung auf sich verändernde Anforderungen in Familien für Eltern, Kinder und Großeltern;
• Umweltfragen sowie zeitgemäße Basiskenntnisse und -kompetenzen in angewandter Naturwissenschaft und Technik, z. B. in Haushalt, Garten, Transport und Energie;
• Aus- und Fortbildung von Erwachsenenbildnern und Verwaltungspersonal;
• Aufbau lokaler und regionaler Bildungsberatungs- und Informationssysteme und die Entwicklung lernender Regionen;
• verbesserte Bildungsangebote für ältere Mitbürger/innen;
• Förderung der Chancengleichheit von Männern und Frauen;
• Integration von Menschen mit Behinderungen;
• Wochen der Erwachsenenbildung oder der Bildung erwachsener Analphabeten, Werbe-Aktionen für lebenslanges Lernen aller Erwachsenen;
• Kompetenz in der Mediennutzung, Einblicke in die Struktur und Wirkungsweise von Medien, Nutzung regionaler Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie privater Bürgersender;
• Hochschulen und lebenslanges Lernen;
• Qualitätsmanagement, Statistiken, Entwicklung neuer Indikatoren.

Grundtvig:

Für welche Lernenden?

Grundtvig wendet sich an alle Lernenden im Erwachsenenalter (einschließlich junger Menschen ab ca. 16 Jahren, die ihre Pflichtschulzeit ohne Abschluss abgebrochen haben). Auch Lernbedürfnisse von Bürgerinnen und Bürgern, die das erwerbsfähige Alter überschritten haben, werden gerne berücksichtigt.
Das „Europäische soziale Modell“ setzt auf eine aktive Politik für Chancengleichheit, Antidiskriminierung und sozialen Zusammenhalt. Priorität haben daher auch bei Grundtvig Vorhaben, die auf die Lernbedürfnisse marginalisierter und benachteiligter Bevölkerungsgruppen aktiv eingehen oder das Verständnis und die aktive Unterstützung für sie in breiteren Kreisen der Bevölkerung entwickeln sollen.

Welche Organisationen können an Grundtvig teilnehmen?

Grundtvig steht allen Arten von Institutionen und Organisationen, die in der formellen oder nichtformellen Erwachsenenbildung engagiert sind, grundsätzlich offen. Dazu gehören insbesondere:
• Organisationen, die ihren professionellen Schwerpunkt in der Erwachsenenbildung haben, wie Volkshochschulen, Heimvolkshochschulen, Familienbildungsstätten oder professionell geleitete Bildungseinrichtungen von kommunalen oder anderen staatlichen Verwaltungen, Stiftungen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen oder Sozialpartnern;
• regionale, nationale und europäische Verbände und Organisationen dieser Einrichtungen der Erwachsenenbildung;
• Einrichtungen des formellen Bildungssystems wie Hochschulen, die besondere Aus- und Fortbildungskurse oder Forschungsvorhaben für das Lernen Erwachsener planen wollen;
• Bildungsverwaltungen auf allen Ebenen;
• Krankenhäuser, Altersheime, psychiatrische Einrichtungen, Strafvollzugsanstalten, Frauenhäuser und vergleichbare Einrichtungen, die die Erwachsenenbildung als Teil ihrer Aufgabe betrachten;
• Organisationen, die in einer lokalen Gemeinschaft das Lernen unter Gleichaltrigen oder generationenübergreifend fördern;
• gemeinnützige und Selbsthilfe-Organisationen, deren Ziel darin besteht, das Recht auf Bildung für alle Erwachsenen zu verteidigen;
• kulturelle Einrichtungen wie Bibliotheken, Museen, Galerien, kommunale Kinos, die Bildungs- und Kulturangebote für breitere Kreise der Bevölkerung entwickeln;
• privatwirtschaftliche Bildungseinrichtungen am europäischen „Bildungsmarkt“, die sich auch an der allgemeinen Erwachsenenbildung und der Bildung für ein aktives soziales und politisches Engagement beteiligen;
• offene und flexible Organisationen des „informellen“ Lernens wie Fernlehr-Einrichtungen oder Angebote in den Massenmedien mit Elementen des selbstgesteuerten Lernens;
• Beratungs- und Zertifizierungsdienste, die ihren Erwachsenenbildungsservice verbessern wollen.